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UBA: Klimaschutz - Ohne die Bahnen geht es nicht

Datum 21.03.2018

Der Klimaschutz entwickelt sich zur politischen Großbaustelle – jetzt sind dringend Rezepte gegen die steigenden CO2-Emissionen im Verkehr gefragt.

Mehr Energieeffizienz, eine weitere Elektrifizierung und die vollständige Deckung des Strombedarfs der Schiene aus erneuerbaren Energien sollen den Schienenverkehr in Deutschland noch umwelt- und klimafreundlicher werden lassen. Diese und weitere Maßnahmen zur Stärkung des Schienenverkehrs in Deutschland wurden in dem durch das Bundesumweltministerium geförderte Projekt "Klima Dialog: Mehr Klimaschutz mit Schienenverkehr" erarbeitet. Die Handlungsempfehlungen wurden in Berlin veröffentlicht und abschließend diskutiert.

Allianz pro Schiene - LogoQuelle: Allianz pro Schiene

Wenn es um Klimaschutz geht, dann geht es automatisch auch um den Verkehr. Alle Sektoren in Deutschland konnten seit 1990 ihren CO2-Ausstoß reduzieren – alle außer der Verkehr. Dieser stößt heute sogar noch mehr Emissionen aus als damals.

Tatsächlich wird der Klimaschutz für die Bundesregierung eine immer größere Herausforderung, die es schnellstmöglich zu bewältigen gilt, betont die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, in ihrer Rede. „Wir brauchen eine starke Schiene für die Verkehrswende. Diese geht Hand in Hand mit der Energiewende. Und beides – Energie- und Verkehrswende – sind notwendige Voraussetzungen, um die nationalen Klimaschutzziele zu erreichen“, so die Staatssekretärin. Dass die Bahn eine zentrale Rolle im Klimaschutz übernimmt, sei unbestritten. Schwarzelühr-Sutter sieht einen entscheidenden Vorteil der Bahnen gegenüber Auto, Lkw und Flugzeug: „Die Schiene hat einen Klimavorsprung unter den Verkehrsträgern, denn schon jetzt werden 90 Prozent der Verkehrsleistung elektrisch erbracht.“ In der Zukunft wünscht sie sich einen vollständig emissionsfreien Schienenverkehr. Um das zu erreichen, brauche es eine höhere Kapazität des Netztes, den gezielten Aus- und Neubau sowie mehr Digitalisierung und Automatisierung auf der Schiene. Der kürzlich beschlossene Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD ist laut Schwarzelühr-Sutter „ein klares Bekenntnis für einen Schienenpakt von Politik und Wirtschaft“. Beschlossen sind die Einführung des Deutschland-Takts, die Umsetzung des Masterplans Schienengüterverkehr sowie ein konsequenter Infrastrukturausbau.

Die Zeit ist reif: Handlungsempfehlungen für mehr Klimaschutz mit Schienenverkehr

Die Ziele der Politik seien gut und richtig, jetzt müssten diese aber auch wirklich umgesetzt werden, mahnt die Leiterin des Projekts, Jolanta Skalska. Im Laufe wurden drei Schwerpunkte identifiziert: Klimafreundliche Personen-, Güter- und Elektromobilität. Konkrete Handlungsempfehlungen enthält die Abschlussbroschüre „Mehr Klimaschutz mit Schienenverkehr“.

Schulterschluss der Verkehrsbranche: Straße und Schiene gemeinsam denken

Gefragt sind Konzepte, die verkehrsträgerübergreifend gedacht und umgesetzt werden. „Der Straßengüterverkehr steht kurz vor dem Kollaps – und der Verkehr wird in den nächsten Jahren noch ansteigen. Nun brauchen wir gemeinsame Lösungen“, so Professor Dr. Dirk Engelhardt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung. Beispielsweise soll die DB-Netz-Plattform „railway.tools“ gemeinsam weiterentwickelt werden, um es Spediteuren möglichst einfach zu machen, ihre Güter mit Bahn und Lkw zu transportieren. „Straße gegen Schiene war gestern“, meint Engelhardt und weist auf die Vorzüge einer solchen verkehrsträgerübergreifenden Plattform hin. Die Güter sollen idealerweise den Großteil der Strecke per Schiene transportiert werden, die ersten und letzten Meilen übernimmt der Lkw. Auch Stefan Kühn von der DB Netz AG findet den Schulterschluss klasse. In der Vergangenheit sei es viel zu kompliziert gewesen, den Transport verkehrsträgerübergreifend zu gestalten, was zur Folge hatte, dass sich Spediteure eher für den Lkw-Transport auf der Langstecke entschieden. Das gemeinsame Vorhaben soll den Schienengüterverkehr zukünftig attraktiver und sichtbarer machen.

Personenverkehr: Mehr Elektrifizierung und alternative Antriebe machen die Schiene noch klimafreundlicher

Susanne Henckel, Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg VBB, fragt sich, warum noch nicht längst 100 Prozent der Strecken in Deutschland elektrifiziert seien: „Andere Länder können das doch auch. Gucken Sie doch mal in die Schweiz“. In Deutschland mache das Planungsrecht die Elektrifizierung von Strecken unnötig teuer und langwierig. Von solchen „Widrigkeiten“ wollte sich Dr. Jörg Nikutta, Geschäftsführer von Alstom Transport Deutschland, nicht aufhalten lassen. Stattdessen entwickelte sein Unternehmen kurzerhand einen Brennstoffzellenzug, der auch ohne Oberleitung emissionsfrei unterwegs ist. Ihn beschäftigt in erster Linie der kostenintensive Bau von Wasserstoff-Tankstellen.

Ausblick: Noch nie standen die Weichen für die Schiene so gut

Dass die Weichen für die Schiene gutstehen, daran lässt Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, in der zweiten Talk-Runde keine Zweifel: „Wir haben eine sehr gute Ausgangslage. Wir werden alle Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umsetzen, denn wir müssen die Klimaschutzziele 2030 einhalten.“ Nun sollen so schnell wie möglich das 740-Meter-Netz und die Schienenmauthalbierung umgesetzt werden. Auch unser Geschäftsführer Dirk Flege sieht ein großes Potential im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Doch eine Sache fehlt ihm: Das Einleiten der Verkehrswende sei hiermit nicht gegeben. Um die voranzutreiben, schlägt er eine Studie der Bundesregierung zur Kostenwahrheit im Verkehr vor. Damit könne die EU-Kommission überzeugt werden, dass Klima- und Unfallkosten endlich in die Maut eingerechnet werden dürfen.

Letztlich findet Flege sehr positive Worte zum Abschluss des Dialog-Projekts: „Wir haben eine neue Phase im Verkehr erreicht. Statt sich gegenseitig Steine in den Weg zu legen, haben wir es geschafft, dass Verkehrsträger und Politik gemeinsam an einem Strang ziehen. Die Zeit ist reif und jetzt heißt es: Gemeinsam Handeln und das Klima schützen!“

Lesen Sie dies und mehr auf den Seiten von Allianz pro Schiene (mehr Informationen, Links, …)

Zur Pressemitteilung des Umweltbundesamtes UBA „Schwarzelühr-Sutter: Die Klimaziele im Verkehr erreichen wir nur mit einer starken Bahn“ auf den Seiten des UBA

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