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DLR: Wie muss sich die PKW-Flotte entwickeln, um den Klimawandel zu begrenzen?

Datum 20.09.2018

In einer von Greenpeace beauftragten Studie haben Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) untersucht, wie sich die europäische Autoflotte entwickeln muss, damit das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, noch erreicht werden kann.

DLR-Forschungsfahrzeug mit Elektroantrieb beim LadenAutos mit alternativen Antriebsformen müssen möglichst früh und umfänglich in den europäischen Markt kommen, um die globale Erwärmung mit hoher Wahrscheinlichkeit noch unter der 1,5-Grad-Marke halten zu können. Quelle: © DLR

Ein Ziel – zwei Szenarien

Die Wissenschaftler vom DLR-Institut für Fahrzeugkonzepte in Stuttgart haben dazu zwei Szenarien aufgestellt: Das erste Szenario beschreibt, welche Entwicklungen hinsichtlich PKW-Flotte und PKW-Markt notwendig sind, um die globale Erwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent unter der Marke von 1,5 Grad Celsius zu halten. Das zweite Szenario setzt eine Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent zum Ziel. Beide Szenarien basieren auf Zahlen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, Weltklimarat).

In beiden Szenarien gehen die Forscher von einem theoretisch verbleibenden CO2-Budget aus, das sie auf Basis des derzeitigen Ausstoßes für den Transportsektor berechnet und auf den privaten Mobilitätssektor heruntergebrochen haben. Für die 28 Staaten der Europäischen Union zuzüglich der Schweiz und Norwegen (EU28+2) bleibt ein noch auszustoßendes CO2-Budget von 6,0 Gigatonnen im 50-Prozent-Szenario beziehungsweise von 3,6 Gigatonnen im 66-Prozent-Szenario.

DLR-Software VECTOR21 für umfangreiche Szenarioanalyse

"Mit Hilfe der am DLR entwickelten Simulationssoftware VECTOR21 können wir beschreiben, wie sich der Automarkt entwickeln muss, um bestimmte Ziele zu erreichen. In unserer aktuellen Studie ist das die Wahrscheinlichkeit, mit der die globale Erwärmung unter der 1,5-Grad-Marke bleibt", beschreibt DLR-Forscher Bent van den Adel, der die Studie federführend betreut hat.

Das 50-Prozent-Szenario ist der Studie zufolge noch realisierbar unter der Annahme, dass ab dem Jahr 2030 keine PKW mit reinem Benzin- oder Dieselantrieb und ab 2037 auch keine Hybridfahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden. Der Bestand an konventionellen Antrieben geht also kontinuierlich zurück und im Jahr 2050 fahren bis auf wenige Hybridfahrzeuge nur noch alternativ angetriebene PKW auf den Straßen Europas.

Im Gegensatz dazu lässt sich das 66-Prozent-Szenario nicht realisieren, das notwendige CO2-Budget wird überschritten – trotz sehr progressiver Annahmen zur Entwicklung der PKW-Flotte: Die letzten Neuwagen mit Diesel- und Benzinantrieb werden bereits im Jahr 2025 verkauft. Ab 2030 sind nur noch emissionsfrei fahrende Autos auf dem Markt. Der Bestand an Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb geht drastisch zurück und fällt bis 2045 auf null.

Fazit: Dringender, zeitnaher Handlungsbedarf

"Beide Szenarien machen die zeitliche Brisanz des Themas deutlich und die Notwendigkeit, alle verfügbaren Handlungsoptionen möglichst schnell in Betracht zu ziehen und umzusetzen", fasst van den Adel zusammen. Entwickelt sich die PKW-Flotte in Europa hingegen weiterhin so wie bisher, könnte das von den DLR-Wissenschaftlern im 50-Prozent-Szenario angenommene restliche CO2-Budget schon innerhalb von zehn Jahren verbraucht sein, das im 66-Prozent-Szenario bereits innerhalb von fünf Jahren.

Lesen Sie dies und mehr auf den Seiten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) (Download der Studie, ...)

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