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03.05.2021

Gletscherbericht mahnt vor schnellerem Gletschersterben

Klimaforschung in Bayern weiter stärken

Der Klimawandel trifft die bayerischen Gletscher mit voller Härte. Das betonte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber am 29.04.2021 in München bei der Vorstellung des aktuellen Bayerischen Gletscherberichts. "Unsere Gletscher sind nicht nur Monumente der Erdgeschichte aus Schnee und Eis. Sie sind Fieberthermometer für den Zustand unseres Klimas. Der Gletscherbericht zeigt klar: Das ewige Eis blutet immer schneller aus. In rund zehn Jahren haben die bayerischen Gletscher zwei Drittel ihres Volumens verloren. Ihre Fläche ist um rund 36 Fußballfelder und damit über ein Drittel zurückgegangen. Die Tage der Gletscher in Bayern sind gezählt. Und das noch früher, als bisher vermutet. Der letzte bayerische Alpengletscher könnte schon in zehn Jahren verschwunden sein. Unser Ziel muss deshalb lauten: So schnell wie möglich in eine klimaneutrale Zukunft – mit einem ehrgeizigen Klimaschutzgesetz, konkreten Maßnahmen und neuen Ideen." Daneben sprach sich Glauber dafür aus, die Klimaziele im Bund und in Bayern anzupassen, nachdem aktuell in der EU eine Anhebung der Klimaziele für 2030 beschlossen wurde.

Wanderer überqueren den Gletscher auf dem Weg zur Zugspitze  
Alexej Bowdurez / Unsplash Der letzte bayerische Gletscher könnte bereits Anfang der 2030er verschwunden sein. Quelle: Alexej Bowdurez / Unsplash

Der neue Bayerische Gletscherbericht ist eine Gemeinschaftsarbeit der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) und des Bayerischen Umweltministeriums. Akademiepräsident Prof. Dr. Thomas O. Höllmann: "Als außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit einem Schwerpunkt auf geistes- und naturwissenschaftlichen Langzeitvorhaben ist die BAdW der ideale Ort für methodologisch anspruchsvolle Untersuchungen zu den langfristigen Auswirkungen des Klimawandels. Das BAdW-Vorhaben 'Erdmessung und Glaziologie' bündelt die glaziologische Expertise: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen nicht nur bayerische und österreichische Gletscher, sondern forschen auch in den Hochgebirgen Zentralasiens. Die nun gemeinsam vorgelegte Publikation basiert auf Analysen, die unter der Leitung des BAdW-Glaziologen Dr. Christoph Mayer durchgeführt wurden. Der Gletscherbericht zeigt, dass die Ergebnisse der Spitzenforschung für eine breite Öffentlichkeit verständlich aufbereitet werden können." Das BAdW-Vorhaben unter dem Vorsitzenden des Projektausschusses Prof. Dr. Hans-Peter Bunge wurde vom Bayerischen Umweltministerium im Rahmen eines mehrjährigen Vorhabens der angewandten Klimaforschung mit rund 600.000 Euro finanziert.

Der Bayerische Gletscherbericht zeigt ein weiteres Mal, welche Bedeutung der Wissenschaft zukommt, den Klimawandel zu erfassen und den Folgen zu begegnen, wie etwa Georisiken in den Alpen. Glauber: "Wir müssen den Klimawandel verstehen, damit wir ihn meistern können. Klimaforschung spielt eine entscheidende Rolle. Wir wollen massiv in die Klimaforschung investieren. Insgesamt fließen im Freistaat aktuell rund 70 Millionen Euro pro Jahr in die Klimaforschung. Diese Summe wollen wir deutlich erhöhen. So sind beispielsweise Ergebnisse aus der Wissenschaft unerlässlich für die Anpassung unserer Städte an den Klimawandel. Unsere Speerspitze der Klimaforschung ist die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze. Sie liefert europaweit einzigartige Erkenntnisse. Wir werden uns deshalb in Brüssel dafür einsetzen, dass sie zukünftig auch von der Europäischen Union unterstützt wird." Die Staatsregierung hat in die Umweltforschungsstation bereits über 10 Millionen Euro investiert. Weitere Investitionen in Höhe von bis zu 7,5 Millionen Euro sind in den nächsten Jahren geplant, um die Forschungsstation fit für die Zukunft zu machen.

BAdW-Glaziologe Dr. Christoph Mayer erläuterte: "Gletscher wirken in vielfältiger Weise auf unseren Lebensraum ein, sei es als Wasserspender in Trockenzeiten oder als wichtiges Element im Klimasystem. Zudem sind Gletscher vor allem als Indikator klimatischer Veränderungen von großer Bedeutung. Auch wenn die Gletscher im bayerischen Alpenraum von der Fläche her eher unbedeutend erscheinen, so stellen sie doch einen essentiellen Bestandteil des Hochgebirgs-Ökosystems dar. Die intensive Beschäftigung mit diesen Eiskörpern zeigt uns wie empfindlich gerade das Hochgebirge auf klimatische Veränderungen reagiert; sie ermöglicht uns aber auch, die Prozesse des Klimawandels deutlich besser zu verstehen. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit, diese Chance zu nutzen."

Fakten aus dem Bayerischen Gletscherbericht:

  • Aktuell gibt es in den bayerischen Alpen noch fünf Gletscher: neben dem südlichen noch den nördlichen Schneeferner und den Höllentalferner südlich von Garmisch-Partenkirchen sowie den Blaueis- und den Watzmanngletscher im Berchtesgadener Land.
  • Die Gletscher verlieren seit Jahren kontinuierlich große Wassermengen. Allein der nördliche Schneeferner auf der Zugspitze schmilzt alle 30 Sekunden um fast 250 Liter Wasser ab.
  • Die aktuellen Erkenntnisse gehen dahin, dass der letzte bayerische Gletscher bereits Anfang der 2030er verschwunden sein könnte. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass dies erst gegen Mitte des Jahrhunderts der Fall sein wird. Die Eisreste des südlichen Schneeferner werden bereits in wenigen Jahren abgeschmolzen sein.
  • Gletscher übernehmen wichtige Aufgaben im Wasserhaushalt, indem sie Gebirgsbäche und Flüsse auch während längerer Trockenperioden im Sommer mit Schmelzwasser versorgen. Dadurch bleiben Ökosysteme erhalten. Außerdem schützen die Eispanzer labile Bergflanken und verhindern so ein Abrutschen.
  • Ursache für das Gletschersterben ist in erster Linie die weltweite Klimaveränderung, welche mit einem deutlichen Temperaturanstieg einhergeht. In den Alpen ist der Anstieg mit rund 2 Grad Celsius dabei nahezu doppelt so hoch wie der globale Durchschnittswert. Das Klima auf 3.500 Metern Höhe hat sich an die zuvor 500 Meter tiefer vorherrschenden Verhältnisse angenähert.
  • Auch im Inneren der Berge gibt es Veränderungen: Der Permafrost taut. Geht er verloren, verlieren die Berge zusätzlich an Stabilität.

Zum Zweiten Bayerischen Gletscherbericht

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