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09.04.2021

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Säugetiere sind kaum vorhersehbar

Selbst bei gut untersuchten Artengruppen wie Säugern gibt es riesige Datenlücken.

Unser Wissen darüber, wie Säugetierpopulationen auf den Klimawandel reagieren, ist äußerst lückenhaft – besonders in den Regionen, die als am empfindlichsten betrachtet werden. Dies ergab eine internationale Studie, die von sDiv, dem Synthesezentrum des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), initiiert wurde. Beteiligt waren Forscher der Universität Zürich, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und andere. Die Ergebnisse sind im Journal of Animal Ecology veröffentlicht.

Gelbbauchmurmeltier 
Ben Hulsey Gerade in Regionen, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, fehlen oft Studien - beispielsweise in Gebirgen. Das amerikanische Gelbbauchmurmeltier ist eine der wenigen Säugetierarten, für die die Forscher entsprechende Daten finden konnten. Quelle: Ben Hulsey

Fast 25 Prozent aller Säugetierarten sind vom Aussterben bedroht, wobei sich dieses Risiko durch den Klimawandel noch verschärft. Doch die Art und Weise, wie sich der Klimawandel jetzt und in Zukunft auf die Tiere auswirkt, ist komplex. Unterschiedliche Umweltveränderungen haben vielfältige und teilweise gegensätzliche Auswirkungen auf verschiedene Bereiche des Lebens von Tieren, wie etwa die Fortpflanzung und das Überleben (bekannt als demografische Raten). Eine neue Studie eines internationalen Teams von Forschern aus 15 verschiedenen Institutionen hat herausgefunden, dass die meisten Studien über terrestrische Säugetiere jeweils nur eine dieser demografischen Raten betrachtet haben und somit möglicherweise nicht das gesamte Bild der Auswirkungen des Klimawandels zeigen.

Initiiert durch das iDiv-Synthesezentrum sDiv führten die Forscher eine Literaturrecherche durch, wobei sie die Artnamen von 5.728 terrestrischen Säugetieren verwendeten. Ziel war es, Datenbanken mit wissenschaftlichen Arbeiten nach Studien zu durchsuchen, die demografische Raten mit Klimavariablen wie Niederschlag und Temperatur in Beziehung setzen. Lediglich 106 Studien, die sowohl das Überleben als auch die Reproduktion gleichzeitig untersuchten, konnten die Forscher identifizieren. Diese decken 87 Arten ab, also weniger als 1 % aller terrestrischen Säugetiere.

Studien zu den Auswirkungen des Klimas auf das Überleben oder aber auf die Reproduktion von Populationen gibt es viele - nicht jedoch zu beidem. Aber nur in seltenen Fällen wirkt sich eine Klimavariable wie etwa die Temperatur durchgängig negativ oder positiv auf alle untersuchten Überlebens- und Reproduktionsraten aus“, sagt Erstautorin Dr. Maria Paniw, die die Studie an der Universität Zürich durchführte. Heute arbeitet sie in Spanien. Höhere Temperaturen könnten einerseits zum Beispiel die Anzahl der Nachkommen verringern. Wenn diese aber aufgrund der geringeren Konkurrenz eine bessere Überlebenschance haben, wird die Populationsgröße nicht unbedingt beeinträchtigt. Andererseits, wenn höhere Temperaturen sowohl die Fortpflanzungs- als auch die Überlebensrate verringern, könnte eine Studie, die nur eines von beiden untersucht, die Auswirkungen auf eine Population unterschätzen.

Dementsprechend brauchen wir mehr Forschung zu Säugetierpopulationen, die mehrere demografische Aspekte über den gesamten Lebenszyklus hinweg berücksichtigt“, sagte Mitautorin Prof. Tiffany Knight von MLU, UFZ und iDiv. „Um evidenzbasierten Naturschutz zu betreiben, sind ganzheitlichere Ansätze bei der Datenerhebung und -integration nötig. Nur so können wir die Mechanismen zum Überleben von Populationen vollständig verstehen.“

Die Studie ergab auch eine Diskrepanz zwischen den Regionen, in denen Studien über die Auswirkungen des Klimawandels auf Säugetiere durchgeführt werden, und den Regionen, für die durch den Klimawandel die meisten Auswirkungen erwartet werden. So konnten zum Beispiel kaum Daten aus Bergregionen gewonnen werden. Die Forscher geben außerdem zu bedenken, dass es noch größere Datenlücken für Tiergruppen gibt, die weniger gut untersucht sind als terrestrische Säugetiere wie Insekten und Amphibien. Diese Daten werden dringend benötigt, um zu erfahren, welche Arten am stärksten vom klimabedingten Aussterben bedroht sind..

Die Originalpublikation und Ansprechpartner finden Sie auf der Seite des Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)

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