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Der Klimastudienkatalog des Netzwerkes Vulnerabilität ist online

Datum 06.03.2014

Eine neue Online-Datenbank bietet einen Überblick über den Stand des Wissens zu den Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland.

von Dr. Mark Fleischhauer (plan + risk consult), Dr. Christian Lindner (plan + risk consult), Mareike Buth (adelphi) und Dr. Inke Schauser (Umweltbundesamt)

Seit Februar dieses Jahres ermöglicht eine neue Datenbank seinen Nutzern, sich umfassend über die erwarteten Klimawirkungen in Deutschland zu informieren. Der „Klimastudienkatalog“ wurde im Netzwerk Vulnerabilität (s. KomPass-Newsletter Nr. 19) entwickelt und beinhaltet eine strukturierte Zusammenstellung von veröffentlichten Studien zu Klimawirkungen und Vulnerabilitäten in Deutschland.

Für die Entwicklung des Katalogs wurden auf Basis einer umfangreichen Recherche unter Mithilfe der Bundesoberbehörden und -institutionen (die dem Netzwerk Vulnerabilität angehören) und der Bundesländer, bestehende regionale und sektorale Klimawirkungs- und Vulnerabilitätsanalysen zusammengetragen. Insgesamt konnten 155 Studien ermittelt werden, von denen 76 Studien räumlich konkrete Aussagen zu Klimawirkungen in Deutschland enthalten (Stichtag: 31.08.2012). Aus diesen Studien wurden Informationen zu den abgeschätzten Klimawirkungen in Deutschland extrahiert und zu einer Datenbank mit Aussagen zur Klimawirkung auf Länder- und Sektorenebene zusammengefasst. Diese Aussagen wurden ausgewertet, um eine Übersicht zum gegenwärtigen Wissenstand zur Betroffenheit Gesamtdeutschlands bzw. einzelner Bundesländer durch den Klimawandel erstellen zu können. So wurden unter anderem alle Aussagen zur Klimawirkung den folgenden Kategorien zugeordnet:

  • Starke negative Auswirkungen
  • Moderate negative Auswirkungen
  • Geringe negative Auswirkungen
  • Positive Auswirkungen
  • Hohe Unsicherheit bzw. Schwierigkeit bei der Einschätzung der Aussagen

Die Darstellung der Ergebnisse geschieht gemäß den folgenden Grundsätzen:

  • Eine Aggregation bzw. Nivellierung der Aussagen durch Durchschnittsbildung findet nicht statt: Vielmehr werden unterschiedliche Aussagen unbewertet nebeneinander gestellt. Wenn zum Beispiel für räumliche Teilbereiche eines Landes unterschiedliche Auswirkungen erwartet werden, werden diese parallel, ggf. in mehreren Kategorien zugleich dargestellt. Gleiches gilt für die sektorale Perspektive. So wurden für eine konkrete Region im Sektor Landwirtschaft in einer Studie Mais und Gerste untersucht und in einer zweiten Studie Weinbau. Eine Aggregation dieser Aussagen zu einer Gesamtaussage für Auswirkungen auf den Sektor Landwirtschaft erfolgte nicht.

  • Eine methodische Bewertung der Studien findet nicht statt, das heißt alle Ergebnisse werden gleich plausibel angesehen. Die Bandbreite der methodischen Ansätze und die Tiefe der Analysen sind sehr groß. Viele Studien zitieren beispielsweise andere Studien, teilweise verzichten sie aber auch auf die Nennung von Quellen. Letzteres stellt unter wissenschaftlichen Maßstäben einen Mangel dar, reflektiert jedoch die Gesamtheit der Informationen, die für die öffentliche und politische Meinungsbildung zur Verfügung steht.

Durch die Bewertung der Aussagen mithilfe des Kodierleitfadens kann für jedes Bundesland und für die gesamte Bundesrepublik ein an die Darstellung einer Ampel angelehntes „Klimawirkungsdiagramm“ generiert werden, das alle vorliegenden Aussagen zu einem Sektor oder zu allen Handlungsfeldern in einem Bundesland nebeneinander abbildet.

Klimafolgenkatalog - Beispiel für ein Klimawirkungsdiagramm (Handlungsfeld "Wasserhaushalt, Wasserwirtschaft" in Niedersachsen) Klimafolgenkatalog - Beispiel für ein Klimawirkungsdiagramm (Handlungsfeld "Wasserhaushalt, Wasserwirtschaft" in Niedersachsen)Beispiel für ein Klimawirkungsdiagramm, das die Anzahl der Aussagen zu den Klimawirkungen im Handlungsfeld „Wasseraushalt, Wasserwirtschaft“ in Niedersachsen darstellt. Die Zahlen in den Bundesländern zeigen, wie viele Aussagen zu diesem Handlungsfeld für das jeweilige Bundesland zusammengetragen wurden.

Für die Darstellung der Ergebnisse wurden die unterschiedlichen Aussagen unbewertet nebeneinander gestellt. Eine Aggregation bzw. Nivellierung der Aussagen durch Durchschnittsbildung findet ebenso wenig statt, wie eine methodische Bewertung der Studien.

Durch die Bewertung der Aussagen mithilfe des Kodierleitfadens kann für jedes Bundesland und für die gesamte Bundesrepublik ein an die Darstellung einer Ampel angelehntes „Klimawirkungsdiagramm“ generiert werden, das alle vorliegenden Aussagen zu einem Sektor oder zu allen Handlungsfeldern in einem Bundesland nebeneinander abbildet.

Der Nutzer des Klimastudienkatalogs kann zudem durch einen Klick auf das jeweilige Bundesland die Studien und die dem Katalog zugrunde liegenden Aussagen aufrufen. Circa 130 weitere räumlich- und handlungsfeldspezifische Studien sind aufgelistet, deren einzelne Aussagen aber bisher noch nicht ausgewertet werden konnten. Somit besteht für den Nutzer Zugriff auf insgesamt circa 285 Klimastudien. Für jede Studie ist ein Steckbrief abrufbar, der eine Reihe von Informationen wie Bearbeiter, Ziel der Studie und eine Kurzbeschreibung sowie einen Internetlink zur Studie enthält.

Auf Basis der Studien, die in den Klimastudienkatalog Eingang gefunden haben, wurde darüber hinaus eine methodische Auswertung vorgenommen. Die verwendeten Ansätze und Grundverständnisse der Studien unterscheiden sich zum Teil erheblich voneinander. Das vom IPCC im Dritten und Vierten Sachstandsbericht verwendete Konzept zur Abschätzung der sogenannten Klimavulnerabilität findet in über 40 Prozent der Studien Verwendung. Das vor allem in der Risikoforschung zu Natur- und Technikgefahren verwendete Risikokonzept kommt in etwa einem Viertel der Studien zur Anwendung. Einige Studien verwenden Mischformen aus beiden Ansätzen und zum Teil auch gänzlich andere Konzepte.

Über 40 Prozent aller Aussagen wurden zu Klimawirkungen in den vier Handlungsfeldern „Wasserhaushalt, Wasserwirtschaft“, „Landwirtschaft“, „Wald- und Forstwirtschaft“ sowie „Biologische Vielfalt“ getroffen. In diesen Handlungsfeldern besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Klimasignal und -folge und somit auch eine längere Tradition, sich mit Klimaeinflüssen und deren Änderung zu beschäftigen. Darüber hinaus sind die genannten Handlungsfelder für alle Bundesländer relevant, was ein weiterer Grund für deren häufige Betrachtung in Klimawirkungsanalysen ist.

Die folgende Tabelle nennt anhand der einzelnen Handlungsfelder die Anzahl der Aussagen zu erwarteten stark, moderat und schwach negativen Auswirkungen bzw. positiven Auswirkungen sowie die Anzahl der lediglich unsicheren Aussagen. Davon ausgehend, dass bei der Untersuchung eines Sektors innerhalb einer Klimastudie jeweils ein methodischer Ansatz gewählt wurde, mit dem sowohl positive als auch negative Auswirkungen bestimmt werden können, kann man für diese Gegenüberstellung davon ausgehen, dass der Vergleich zwischen negativen und positiven Auswirkungen für einen Sektor tendenziell anzeigt, ob dieser Sektor ausschließlich Nachteile zu erwarten hat oder ob in einem gewissen Maß auch positive Auswirkungen zu erwarten sind. Dieser Vergleich ist jedoch lediglich für die Betrachtung innerhalb eines Sektors zulässig. Ein Vergleich über mehrere Sektoren hinweg sowie eine Bewertung aufgrund der absoluten Zahlen ist nicht statthaft, da die Auswahl der in den verschiedenen Klimastudien untersuchten Sektoren häufig aufgrund politisch-normativer Vorgaben erfolgte und nicht ausschließlich mit Blick auf die zu erwartenden Klimawirkungen.

In der Zusammenschau ergibt sich, dass unter dem Strich in allen Sektoren die negativen Auswirkungen die positiven Wirkungen des Klimawandels – teilweise sehr stark – überwiegen. Die breite Streuung positiver und negativer Auswirkungen kann auch ein Hinweis darauf sein, dass unterschiedliche Studien auch zu unterschiedlichen – teils gegensätzlichen – Ergebnissen kamen.

Anzahl der Aussagen in Klimastudien zur Art der Auswirkungen des Klimawandels in den Handlungsfeldern Anzahl der Aussagen in Klimastudien zur Art der Auswirkungen des Klimawandels in den Handlungsfeldern.Anzahl der Aussagen aus den Klimastudien mit starken, moderaten und geringen negativen bzw. positiven sowie unsicheren Aussagen zu den Auswirkungen des Klimawandels in den Handlungsfeldern der Deutschen Anpassungsstrategie. (Das Handlungsfeld „Wasser“ ist in „Wasserhaushalt, Wasserwirtschaft“ sowie „Küsten- und Meeresschutz“ unterteilt. Die Querschnittsthemen „Raum-, Regional- und Bauleitplanung“ sowie „Bevölkerungsschutz“ sind hier nicht dargestellt.)

Ein Vergleich der Betroffenheit der Bundesländer untereinander ist auf Basis der bestehenden Studien nicht möglich. Dafür sind die gegenwärtig vorhandenen Klimawirkungs- und Vulnerabilitätsstudien von zu großer Heterogenität gekennzeichnet – in Bezug auf Untersuchungsgegenstände, Methoden und Bewertungsmaßstäbe der Studien.

Diese Grenzen der Aussagefähigkeit müssen bei der Verwendung des Klimastudienkatalogs und bei der Interpretation der Ergebnisse unbedingt berücksichtigt werden. Der Klimastudienkatalog ist daher als Informationssystem über bestehende Studien zu verstehen und kann nicht als konsistente Grundlage für eine Vulnerabilitätsbewertung auf Bundesebene genutzt werden, dient aber regional als wichtige Informationsquelle. Um diese Lücke zu schließen, erarbeitet das Netzwerk Vulnerabilität bis Ende 2014 eine eigene bundesweit einheitliche Vulnerabilitätsbewertung.

Der Klimastudienkatalog kann ab sofort unter http://netzwerk-vulnerabilitaet.de/tiki-index.php?page=Klimastudienkatalog aufgerufen werden.

Quelle: Dieser Beitrag ist erstmals im KOMPASS-NEWSLETTER (Ausgabe Nr. 29 | Februar 2014) des Umweltbundesamtes erschienen.

Anmerkung: Das Netzwerk Vulnerabilität besteht aus 16 Bundesoberbehörden aus 9 Ressorts, unterstützt von einem wissenschaftlichen Konsortium. Es hat zur Aufgabe, für den Fortschrittsbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) an den Klimawandel eine aktuelle und konsistente Vulnerabilitätsbewertung für Deutschland unter Berücksichtigung alle 15 Handlungsfelder der DAS durchzuführen (www.netzwerk-vulnerabilitaet.de).