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Klimafakten.de: Hitzewellen - Sprechstunde für den Klimawandel

Datum 04.06.2018

Angesichts der drohenden Erdüberhitzung sollten Ärztinnen und Ärzte mit ihren Patienten über die Folgen des Klimawandels für die Gesundheit und für die Medikation sprechen - und auch öffentlich Stellung beziehen. Das fordert der Wiener Umweltmediziner Hans-Peter Hutter im Interview mit klimafakten.de.

Sprechstunde (Symbolbild)Quelle: (c) panthermedia.net / ArturVerkhovetskiy

Prof. Hans-Peter Hutter ist stellvertretender Leiter der Abteilung für Umweltmedizin am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien. Der studierte Mediziner und Landschaftsökologe ist zudem Vorstand der österreichischen Sektion der International Society of Doctors for the Environment (ISDE). Mit seinen Kollegen Hanns Moshammer und Peter Wallner verfasste er den Band "Klimawandel und Gesundheit – Auswirkungen. Risiken. Perspektiven" (Wien 2017).

Für klimafakten.de hat Claus Reitan in einem Interview Prof. Hutter dazu beftragt, wie wir mit den Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Gesundheit umgehen sollten.

Professor Hutter weist darauf hin, dass eine Verbindung zwischen dem Klimawandel einerseits und unserem Wohl- oder Unwohlbefinden andererseits bestehe. Das gelte sowohl für gesunde als auch für erkrankte Personen. "Diese Zusammenhänge stehen völlig außer Frage", so Hutter.

Zum Beispiel belasten Hitzewellen, die infolge des Klimawandels künftig häufiger auftreten und intensiver werden, das Kreislaufsystem. Sie vermindern die geistige sowie körperliche Leistungsfähigkeit zuweilen drastisch, können Atemwegsprobleme verstärken und leider auch zum Tod führen. Eine Anpassung der Medikation und das Befolgen bestimmter Verhaltensregeln sollten bei bestimmten Herz- und Kreislauferkrankungen schon vor einer Hitzeperiode zwischen Patient und Arzt besprochen werden. Das gilt auch bei einer Reihe anderer Arzneimittel wie etwa Psychopharmaka. Die Weltgesundheitsorganisation hat dazu Empfehlungen veröffentlich, ebenso wie etliche nationale Gesundheitsbehörden.

Hutter weist aber auch auf die "erzieherische" Aufgabe der Mediziner hin: "Sie sollten mehr als bisher ihre Patienten aufklären, um das Wissen rund um traditionelles, vernünftiges Verhalten bei Hitze wiederzubeleben – viele habe das schlicht vergessen." Er rät zu meist einfachen Tipps, wie man sich wirksam schützen kann. "In den überwiegenden Fällen ist es nicht nötig, sich eine Klimaanlage anzuschaffen - auch das muss man ansprechen."

Professor Hutter nennt dann beispielhaft weitere gesundheitliche Risiken, die als Folgen des Klimawandels ansteigen werden: Allergiker müssen mit einer längeren und intensiveren Pollenbelastung zurecht kommen. Außerdem kann es bei den von Wetterkatastrophen Betroffenen zu posttraumatischen Belastungsstörungen kommen, denn die traumatischen Verluste der Lebensgrundlagen wirken nach. "Wo es mehrfach zu Katastrophen kam, etwa mehreren dramatischen Überschwemmungen, wurde auch fallweise ein Anstieg von Suiziden beobachtet. Sollten sich diese Extremereignisse weiter häufen, sind das Gesundheitssystem und die Allgemeinmedizin dafür nicht optimal aufgestellt."

Für jeden Einzelnen sieht Prof. Hutter zumindest zwei persönliche "Stellschrauben", mit denen er den Klimawandel bekämpfen und seine eigene Gesundheit fördern kann: unser Mobilitäts- und Ernährungsverhalten. "Weniger mit dem Auto zu fahren, senkt den Ausstoß an Treibhausgasen und anderen Verkehrsemissionen wie Ultrafeinstaub – gleichzeitig erhöht es die persönliche Fitness, zu Fuß zu gehen. Bewegungsmangel hingegen erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Etwas weniger Fleisch zu essen, verbessert ebenfalls die Bilanz an Treibhausgasen und kann überdies die Risiken teils äußerst schwerer Erkrankungen vermindern. Das gilt beispielsweise für bestimmte Karzinome – vor allem, wenn man bedenkt, dass der Fleischkonsum hierzulande weit über den empfohlenen Werten liegt."

"Mediziner müssen also auf den doppelten Nutzen aufmerksam machen: Die skizzierten positiven Änderungen in der Mobilität und in der Ernährung können die Ursachen des Klimawandels vermindern und zugleich dabei helfen, persönliche Erkrankungsrisiken deutlich zu reduzieren. Das ist ein doppelter Nutzen. Die Botschaft aus ärztlicher Sicht lautet daher: Klimaschutz ist Gesundheitsschutz. Das ist belegt. Jeder kann dazu beitragen."

Hutter erinnert alle Ärzte daran, dass sie eine angesehene Berufsgruppe sind, die nahe bei den Menschen ist und deren Vertrauen genießt. Er empfiehlt, zu vereinfachen und auf den Punkt zu bringen, dass jeder etwas für den Klimaschutz tun kann und zugleich für sich selbst.

Lesen Sie das vollständige Interview auf den Seiten von Klimafakten.de (mit weiterführenden Links und Hintergrundinformationen, …)

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