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Schwerpunkt-Themen zu Klimaservices - ausführlich dargestellt

Historie des GFCS (Globales Rahmenwerk für Klimadienstleistungen)

Kurze Geschichte der Weltklimakonferenzen sowie des Globalen Rahmenwerkes für Klimadienstleistungen (Global Framework for Climate Services, GFCS) mit der nationalen Umsetzung seiner Nutzerschnittstelle - dem Deutschen Klimaportal - als Ergebnis der 3. Weltklimakonferenz

Die Entwicklung bis zum GFCS

Wissenschaftler diskutierten erstmals in den 1970er Jahren über den beobachteten Aufwärtstrend der Lufttemperatur an verschiedenen Klimastationen. Dies war der Anstoß für die Weltklimakonferenz 1 (World Climate Conference 1, WCC-1, 12. bis 23. Februar 1979, World Meteorological Organization (WMO), Genf), um die Frage des Zusammenhangs von Klima-Anomalien und der Klimabeeinflussung durch den Menschen auf Experten- und Regierungsebene zu erörtern. Dabei wurde erkannt, dass noch erheblicher Forschungsbedarf besteht. In Folge dieser ersten Weltklimakonferenz wurde daher das Weltklimaprogramm (World Climate Programme, WCP) ins Leben gerufen, das bei der WMO (World Meteorological Organization) angesiedelt ist, und ein Weltklimaforschungsprogramm (World Climate Research Programme, WCRP) umfasst. Auch die spätere Gründung des Weltklimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) durch die WMO und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) wurde durch die WCC-1 angestoßen.

Mehr als elf Jahre später trafen sich vom 29. Oktober bis 7. November 1990 Experten und Regierungsvertreter erneut bei der WMO in Genf zur zweiten Weltklimakonferenz (WCC-2). Hauptthema waren diesmal die Veränderungen in der Zusammensetzung der Atmosphäre und die Auswirkungen auf die Klimaentwicklung. Die Teilnehmer diskutierten auch Möglichkeiten, die Produktion und den Verbrauch von Substanzen, die die Ozonschicht zerstören, global zu reduzieren. Im Ergebnis gab diese Konferenz unter anderem den Impuls für die UN-Rahmenklimakonvention (United Nations Convention on Climate Change, UNFCCC) und zur Implementierung des globalen Klimabeobachtungssystems (Global Climate Observing System, GCOS).

Es dauerte dann fast 20 Jahre, ehe vom 31. August bis 4. September 2009, erneut in Genf, die dritte Weltklimakonferenz (WCC-3) stattfand. Experten und Regierungsvertreter berieten dieses Mal über Entwicklungen seit der letzten Konferenz sowie über Strategien und Lösungen für die Klimaprobleme der Zukunft. Sie kamen unter anderem zu dem Ergebnis, dass es zwar große wissenschaftliche Fortschritte in den letzten 30 Jahren gegeben habe, insbesondere beim Weltklimaprogramm (WCP), dennoch müsse die Zusammenarbeit zwischen Anbietern und Nutzern von Klimadiensten enger, die Anstrengungen in Bezug auf Klimavorhersagen, Forschungs- und Modellinitiativen müssten verstärkt und die Verfügbarkeit und Qualität der Klimadaten verbessert werden. Im Ergebnis haben sich die an der WCC-3 teilnehmenden Regierungen aus über 150 Staaten dazu bekannt, das Globale Rahmenwerk für Klimadienstleistungen (Global Framework for Climate Services GFCS) aufzubauen. „Es ist an der Zeit, die Fortschritte, die es im Bereich der Klimamodellierung sowohl auf globaler als auch regionaler und nationaler Ebene gegeben hat, in operationelle Anwendungen zu integrieren“, beschreibt Vizepräsident und Klima-Vorstand des DWD, Dr. Paul Becker, das wichtigste Ziel der WCC-3, den Aufbau des GFCS. 

Die Elemente des GFCS

„Klimadienstleistungen benötigen eine solide wissenschaftliche Basis und müssen für ihre Nutzer in verlässlicher Form vorliegen, d.h. erzeugt durch operationelle, routinemäßige Verfahren“, betont Dr. Paul Becker. Hierzu wird ein umfangreiches Archiv vieljähriger Beobachtungen aller Komponenten des Klimasystems benötigt. Forschung und Modellierung tragen zu einer Verbesserung des Verständnisses des Klimageschehens bei. Klimavorhersagen bzw. –projektionen erweitern den Blick und liefern Informationen über zukünftig zu erwartende Entwicklungen. Die operationelle Erstellung der Klimadienstleistungen sowie deren Verbreitung und Kommunikation an die Nutzer erfolgen auf einer als Informationssystem für Klimadienstleitung (Climate Services Information System, CSIS) bezeichneten Ebene. Damit Klimadienstleistungen die Nutzeranforderungen immer besser erfüllen können, bedarf es einer gut funktionierenden und systematisch vorgehenden Kommunikation zwischen den Nutzern und den Erzeugern der Klimadienstleistungen. In der Struktur der GFCS findet dies im Rahmen der Plattform für Nutzerschnittstellen (User Interface Platform, UIP) statt.

Somit umfasst die GFCS die vier Säulen „Klimabeobachtungen“, „Forschung, Modellierung und Vorhersagen“, „Informationssystem für Klimadienstleistungen“ sowie die „Plattform für Nutzerschnittstellen“. Damit die GFCS wirklich global umgesetzt werden kann, sind als fünfte Säule Maßnahmen zur Unterstützung von Entwicklungsländern erforderlich. All diese Komponenten haben globale, regionale und nationale Ausprägungen, die es optimal untereinander und miteinander zu verzahnen gilt.

 

Die Umsetzung der Plattform für Nutzerschnittstellen in Deutschland

Klimadienstleistungen werden in Deutschland in verschiedenster Ausprägung bereits seit vielen Jahrzehnten erbracht. „Die neue Herausforderung für uns ist jedoch die Erweiterung des Zeithorizontes unserer Klimadienstleistungen in die Zukunft, d.h. von den nächsten Monaten bis hin zu ein, zwei Jahrzehnten in der Zukunft, und dies auf nachhaltiger und für die Nutzer verlässlicher Basis. Auch wenn dies eine große Herausforderung ist, sind die Klimamodelle heute so weit entwickelt, dass sie von der Forschung in eine operationelle Anwendung überführt werden können. Zusammen mit der Forschung werden wir natürlich an der weiteren Verbesserung der Modelle und unseres Verständnisses des Klimasystems arbeiten. Ebenso wichtig ist es, die Bedürfnisse der Nutzer genau zu kennen und ihre Kompetenzen, unsere Klimadienstleistungen zu verstehen und zu verarbeiten“, so Dr. Paul Becker.

So wie am Wetter sind viele Wirtschaftssektoren auch an Informationen über längerfristige Entwicklungen des Wetters, also dem Klima, interessiert. Durch seine vielfältigen Kundenbeziehungen im Bereich der Wettervorhersage und der in Jahrzehnten gesammelten Erfahrung bei der Erstellung und Vermittlung von Klimadienstleistungen verfügt der DWD zum einen über eine breite Kundenbasis mit einer gut funktionierenden Kommunikation mit den Nutzern. Zum anderen besitzt der DWD auch das erforderliche wissenschaftliche Know-how zur Vermittlung der teilweise komplexen Inhalte der erarbeiteten Klimainformationen.

„Der Deutsche Wetterdienst ist darüber hinaus regional und international sehr gut vernetzt, um die erforderliche Koordinierung zwischen diesen Ebenen, die für eine optimale Nutzung des vorhandenen Wissens erforderlich ist, in Zusammenarbeit mit weiteren Anbietern von Klimadienstleistungen in Deutschland zum Nutzen aller leisten zu können“, sagt Dr. Paul Becker.

Das in Deutschland vorhandene Know-how zur Erstellung, Kommunikation und Anwendung von Klimainformationen kann für viele Entwicklungsländer als Blaupause für eigene Maßnahmen zur nationalen Umsetzung der GFCS dienen.

Link zur GFCS-Homepage der WMO (Weltorganisation für Meteorologie) - in Englisch (weitere Sprachen verfügbar)